der ganze Bericht im rheintaler.ch (von Dr. Peter Schnell, Altstätten)

Traum und Wirklichkeit

Betr. Leserbrief von Hansjörg Graf, Ausgabe vom 23. August
Branchenmix lässt sich nicht herbeizaubern
Ausnahmen nicht leicht möglich
Das Risiko tragen nicht die Initianten
Dieser Leserbrief liess mich – trotz der Ernsthaftigkeit der Angelegenheit – schmunzeln. Das kann doch nicht alles sein, was sich die Initianten und Befürworter einer autofreien Marktgasse an Konzepten und Ideen unter dem Titel «nachhaltige Attraktivitätssteigerung und Belebung» für die Altstadt ausgedacht haben! Aber es ist leider Tatsache: Bis heute gibt es seitens der Initianten nur Träume, Fantasien, Wunschdenken (man «sollte», man «müsste») und Spekulationen, nach welchen die von ihnen schlecht geredete Situation in Altstätten «verbessert» werden könnte.Klar, haben auch wir Leerstände. Klar, sind wir im grenznahen Gebiet einer harten Konkurrenz und auch dem Internethandel ausgesetzt. Aber wo in der Schweiz ist das nicht so? Kenner sprechen von einem Ausbluten der Innenstädte. Die Stadt St. Gallen, wahrlich ein touristisches Magnet, unternimmt enorme Anstrengungen, um dem Aussterben der Innenstadt entgegenzuwirken. Derweilen boomen die Zentren an der Peripherie dank grosszügigem Parkplatzangebot.Unsere Altstadt ist klein, mit schöner alter Bausubstanz, aber kein Touristenmagnet wie zum Beispiel Appenzell. Die Kunden rekrutieren sich noch immer zu einem grossen Teil aus der näheren und weiteren Umgebung und schätzen die bequeme Zufahrtsmöglichkeit. Die Geschäfte, mehrheitlich familiengeführte KMU, sind nicht auf eine lange Verweildauer ausgelegt. Ein grosses Zentrum, das zum Flanieren einladen würde, fehlt: «Me goht go poschtä, nöd go lädälä.» Der viel zitierte verbesserbare Branchenmix und neue Anbieter lassen sich nicht herbeizaubern. Wir leben nicht in einer Planwirtschaft, es geht nur nach Angebot und Nachfrage. Sonst wäre das Zentrum Freihof wohl längstens ausgebucht.

Die Initiative will die ganze Marktgasse, «von vorne bis hinten», für den Verkehr sperren. Damit nimmt man, sozusagen als Kollateralschaden, auch Teile der Engel-, Ober- und Rabengasse mit dazu. Denn das Abbiegeverbot aus der Trogenerstrasse heisst auch, dass nicht nur Postkunden künftig ihr Auto in der Parkgarage oder auf einem weiter entfernten Parkplatz abstellen müssen. Je nach Auslegung ist davon auszugehen, dass kein Kunde mehr in die Innenstadt einfahren und parkieren kann. Ausnahmebewilligungen sind kostenpflichtig und nicht – wie von den Initianten postuliert – sofort abrufbar. Dies gilt für Tixi, Taxi, sämtliche Lieferanten, Post, Serviceleute, Handwerker, Spitex, Pro Senectute Mahlzeitendienst, private Behindertentransporte zu Arzt, Zahnarzt, Apotheke, Fusspflege, Coiffeur etc.

Der Gegenvorschlag ist nicht das Gelbe vom Ei, aber er ist die beste aller Varianten, auch der bestehenden. Ein Kompromiss, der viele Verbesserungen aufzeigt und sich in den kommenden Jahren situativ weiterentwickeln lässt. Die Initiative ist in ihren Forderungen abschliessend, hart und kann nicht einfach – wenn es dann halt doch nicht so klappt – wieder rückgängig gemacht werden. Tote Läden lassen sich nicht einfach wieder wachküssen. Derlei Beispiele gibt es genug in der Schweiz. Das beste und einfachste Mittel, das nachhaltig unsere lokale Wirtschaft stärkt: Hier einkaufen, hier geniessen, hier zum Essen und Trinken ausgehen. Wo der Franken verdient wird, soll er auch ausgegeben werden.

Ich wünsche den Initianten, dass sie sich die Wirklichkeit vor Augen führen und sich des Risikos ihrer Wünsche und Träume bewusst sind. Das Risiko tragen nämlich alle anderen, und diese sitzen alle in einem Boot.

Und wir, die Angestellten, die Lernenden, die Ladenbesitzer, die Unternehmer, die Büezer und Beizer in der Altstadt, gehen weiter unserer Arbeit nach und versuchen mit Freude, grossem Engagement und Unternehmertum, diese Stadt attraktiv zu erhalten und erfolgreich in die Zukunft zu führen. Dafür müssen aber die Rahmenbedingungen stimmen. Bei dieser Abstimmung, eine der wichtigsten seit vielen Jahren, geht es um das Überleben des Detailhandels und um die Zukunft der Innenstadt. Es ist nur möglich dank harter Arbeit und Weitblick. Altstätten hat viel Potenzial. Arbeiten wir alle daran, um es erfolgreich umzusetzen.

Darum Nein zur Initiative. Aber ein klares Ja für eine lebendige Altstadt und somit ein Ja für den Gegenvorschlag der Stadt.
Sonst ist unsere Innenstadt bald auto- und gewerbefrei.

Arbeitsgruppe Spielraum Altstadt

Peter Schnell

Marktgasse 1, Altstätten