Leserbrief im Rheintaler vom Dienstag, 20. Juni 2017

Vernunft statt Ideologie in der Altstätter Marktgasse

In Altstätten ist wohl kein politisches Thema mit mehr Ideologie aufgeladen als die Forderung nach einer autofreien Marktgasse. Nur die Marktgasse autofrei zu machen, ohne ein umfassendes Verkehrs- und Lebensraumkonzept für die Altstadt von Altstätten, ist aber nicht sinnvoll, gilt es doch, die Altstadt lebendig zu erhalten, und das nicht nur während der Fasnacht, an den Hauptmärkten oder bei besonderen Anlässen.

Damit die Altstadt von Altstätten lebendig bleibt, ist es wichtig, dass es attraktiv ist, in der Altstadt zu wohnen und Geschäfte zu betreiben. Eine wesentliche Voraussetzung dafür ist eine zweckmässige Verkehrserschliessung der Altstadt sowohl für Fussgänger und Velos als auch für Motorfahrzeuge aller Art. Ist die Altstadt als Wohn- und Geschäftslage unattraktiv, verschwindet nicht nur das Leben aus der Altstadt, es können auch die erforderlichen Mittel für den Unterhalt der historischen Gebäude nicht mehr erarbeitet werden. Eine tote und verlotterte Altstadt will aber sicher niemand. Leider war von den Initianten bis anhin nur wenig zu hören, wie die Altstadt von Altstätten belebt werden soll. Mit Tourismus und Kunsthandwerk allein ist das jedenfalls nicht zu schaffen, wird doch Altstätten auch bei einem massiven Anstieg des Fremdenverkehrs nie die Besucherzahlen von Appenzell erreichen.

Im Gegensatz dazu trugen besonders die Geschäftsleute in der Altstadt sehr viel zur Belebung der Marktgasse bei und es wäre töricht, ihnen nun Prügel zwischen die Beine zu werfen.

Dazu kommt, dass das Konzept der Initiative für eine autofreie Marktgasse auf einer nicht zu Ende gedachten Idee basiert, die nicht auf sinnvolle Weise umgesetzt werden kann, besteht doch die Altstadt von Altstätten nicht nur aus der Marktgasse, sondern aus einem System miteinander verknüpfter Strassen. Diese Strassen waren auch ein wesentlicher Grund, wieso in Altstätten überhaupt eine Siedlung und dann eine Stadt entstanden ist, kamen doch auf dem Engelplatz die Strassen über den Ruppen nach St.Gallen, nach Rorschach und nach Chur zusammen.

Dass die Initiative für eine autofreie Marktgasse nicht sinnvoll umsetzbar ist, erkannte auch der Stadtrat von Altstätten und unterbreitet der Bevölkerung deshalb einen zweckmässigen und zukunftsgerichteten Gegenvorschlag, der eine gute Grundlage für die Weiterentwicklung des Verkehrskonzepts in der Altstätten bildet. Was den Verkehr in der Innenstadt betrifft, hat auch Altstätten mit der neuen Strassenführung um die Altstadt sehr grosse Fortschritte gemacht. Es wäre schade, wenn diese positive Entwicklung nicht weitergeführt werden könnte, nur weil die Marktgasse aus einer veralteten und nicht zielführenden Ideologie heraus völlig autofrei werden soll.

von Werner Ritter-Sonderegger, Hinterforst